Wahlliste der Grünen angenommen

Seit Freitag ist es amtlich: 6 Wahlvorschläge - so heißen die Listen der Parteien oder Wählervereinigungen - sind zur Wahl des Remsecker Gemeinderates am 26. Mai zugelassen worden. Liebe Remseckerinnen, seit 100 Jahren haben die Frauen in Deutschland das Recht zu wählen und selbst gewählt zu werden. In wenigen Wochen dürfen Sie dieses Recht wieder ausüben und einen neuen Gemeinderat wählen.

Wir Grüne Ratsfrauen nehmen dies zum Anlass, einen Blick auf die Zusammensetzung des Remsecker Stadtparlaments der letzten 20 Jahre zu werfen. Wie ist die aktuelle Situation? Aktuell sind 19,2 % bzw. 5 von 26 Gemeinderatsmitglieder weiblich. Damit liegt Remseck sogar noch hinter dem Landtag von Baden-Württemberg, der mit 24,5 % das Schlusslicht unter den Länderparlamenten bildet.

Im Bundestag liegt der Frauenanteil bei 30,9 %. 2009 und 2004 saßen in Remseck 6 Frauen (23,1 %) im Ratssaal, 1999 waren es immerhin 9 (34,6 %). Die letzten 20 Jahre sind also durch einen deutlichen Rückschritt gekennzeichnet. Wie sind die Anteile innerhalb der verschiedenen Fraktionen? Hierzu erstellten wir eine kleine Tabelle, eventuelle Nachrückerinnen sind nicht berücksichtigt. Angegeben ist jeweils der Frauenanteil in Prozent.

 

Fraktion            1999             2004         2009         2014

CDU                      30                22,2            0               0

Freie Wähler         0                   0               0             14,3

Grüne                 100                33,3           60             60

SPD                      66,7              40              40            25

FDP                     25                  25              20             0

 

Spitzenreiter beim Frauenanteil ist die Fraktion der Grünen, dicht gefolgt von der SPD. Dagegen gestaltet sich das Bild bei den derzeit stärksten Fraktionen eher düster. Woher kommt die rückläufige Tendenz? Das genaue Wahlverhalten bei Kommunalwahlen in Bezug auf Frauen ist noch nicht untersucht - mangels statistischer Daten. Sie werden bislang einfach nicht erhoben. Kandidatinnen sind offenbar schwieriger zu finden als Kandidaten und fallen beim Kumulieren bei manchen Wählergruppen "hinten runter". Speziell im konservativen Lager scheinen einige noch dem traditionellen Rollenbild nachzuhängen. "Frauen in der Familienphase leiden nach wie vor unter Mehrfachbelastungen. Da bleibt kaum noch Zeit und Energie für ein Ehrenamt" berichtet Stadträtin Heike Gebbert aus Erfahrungen in ihrem Umfeld.

Kindererziehung und Altenpflege wird überwiegend von Frauen geleistet, dazu kommen die gestiegenen Anforderungen im Job. Swantje Sperling sieht die bürgerlichen Parteien in der Pflicht, sich mehr um Frauen zu bemühen: "Männern wird der Rücken freigehalten, sie können oft mehrere Ehrenämter bekleiden und sind deshalb bekannter". Liebe Remseckerinnen, am 26. Mai haben Sie die Möglichkeit, mehr Frauen in den Gemeinderat zu wählen. Und 2024 selbst zu kandidieren!