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Gentechnikfreie Landwirtschaft

"Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt" heißt es im berühmten Volkslied. Zwar wird zum Säen nicht mehr das Pferd eingespannt, sondern die Sämaschine an den Traktor angehängt, aber gesät wird im März noch immer – wenn es nicht zu kalt ist! Die Mehrheit der Bürger möchte, dass die Bauern dabei gentechnikfreies Saatgut verwenden.

"Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt" heißt es im berühmten Volkslied. Zwar wird zum Säen nicht mehr das Pferd eingespannt, sondern die Sämaschine an den Traktor angehängt, aber gesät wird im März noch immer – wenn es nicht zu kalt ist! Die Mehrheit der Bürger möchte, dass die Bauern dabei gentechnikfreies Saatgut verwenden. Die Hürden für den Gentechnikanbau sind in Deutschland aus Haftungsgründen zwar hoch, möglich ist er jedoch. Die meisten Bauern wollen jedoch wie die Verbraucher keinen Gentechnikanbau. Durch den globalen Saatguthandel kann jedoch durch Unachtsamkeit gentechnikfreies Saatgut durch genmanipuliertes Saatgut verunreinigt werden und so Gentechniksaatgut auf unsere Felder gelangen. Das ist z.B. vor 3 Jahren in Remseck passiert. Durch Kontrollen wurde das entdeckt und die Maisfelder noch vor der Blüte umgepflügt, so dass sich kein Gentechnikmais ausbreiten konnte. Gerade noch mal gut gegangen!

 

Beispiel Kanada

Nicht gut gegangen ist es für Percy und Louise Schmeiser, einem kanadischen Landwirtsehepaar. Sie bauten 50 Jahre lang Raps an. Familie Schmeiser züchtete wie Millionen Bauern weltweit ihr eigenes, der kanadischen Provinz Saskatchewan angepasstes Saatgut. Bis ihnen 1998 ein Brief des Agrarchemie-Konzerns Monsanto ins Haus flatterte. Der global agierende Saatguthersteller, der 90 % dieses Marktes beherrscht, beschuldigte sie darin, lizensiertes Patent-Saatgut zu verwenden. Staunend erfuhr die Farmerfamilie, dass ihnen deshalb die Ernte nicht gehöre und sie Schadenersatz zahlen müssten. Die genmanipulierte Saat aber hatten Percy und Louise gar nicht gewollt. Die Gen-Pflanzen, die anders als "natürlicher" Raps ein breit wirkendes, von Monsanto produziertes Unkrautvernichtungsmittel vertragen, dürften durch Pollenflug von benachbarten Gen-Anbaufeldern Schmeiser's Äcker verunreinigt haben.

 

Familie Schmeiser verlor den Prozess gegen Monsanto, musste aber "nur" die Prozesskosten in Höhe von 250 000 $ bezahlen. Schmeiser's wären bankrottgegangen, hätten sie nicht Gleichgesinnte gefunden, die für sie sammelten. Im Dezember 2007 erhielten Louise und Percy Schmeiser den alternativen Nobelpreis.

In einem beeindruckenden Vortrag bei der grünen Landtagsfraktion schilderte Percy Schmeiser seine Auseinandersetzung mit Monsanto und seinen Kampf für eine gentechnikfreie Landwirtschaft. Nach kanadischem Patentrecht habe Monsanto Anspruch auf alles, was irgendwann die neuen Gene in sich trage und sich verbreite, auch Bienen, Vögel, Fische und sogar Menschen. In Kanada sei aus gentechnisch verändertem Raps inzwischen ein "Super-Unkraut" geworden, das auch schon auf Friedhöfen und Golfplätzen zu finden sei. Er glaubt, es sei nur eine Frage der Zeit, bis artverwandte Pflanzen wie Radieschen, Rettiche, Blumenkohl oder Senf die veränderten Gene in sich tragen. Und Farmer, die mit Monsanto Knebelverträge unterschrieben haben und das Saatgut verwendeten, hätten festgestellt, dass man viel mehr Chemikalien brauche – hergestellt von Monsanto.

 

Schmeiser hält Koexistenz von Gentechnik-Landwirtschaft mit Landwirtschaft ohne Gentechnik nicht für möglich: "Es gibt keine sichere Entfernung. Den Wind kannst du nicht kontrollieren". Nach dem neuen Gentechnikgesetz gilt in Deutschland ein Grenzabstand von 150 m. Eine Biene fliegt allerdings weiter als 150 m!

 

Gentechnikfreies Remseck

Wir könnten uns als Unterstützung einer gentechnikfreien Landwirtschaft in Remseck vorstellen, dass die Stadt in die Pachtverträge aufnimmt, dass nur gentechnikfreies Saatgut verwendet werden darf. Möglingen praktiziert das bereits so. Was halten Sie von einer solchen Initiative?

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