Bildungsgerechtigkeit in Zeiten der Corona-Krise

Durch die Schulkrise sind die Probleme, die es schon seit Jahrzehnten in der Bildungspolitik gibt, noch einmal deutlicher geworden: Laut der Sonderauswertung der Bildungsstudie ICILS haben 36 % der Kinder mit niedrigerem finanziellem Status in ihren Familien höchsten eines der benötigten digitalen Geräten, um an einem Fernlernangeboten teilzunehmen. Selbst wenn ein digitales Gerät vorhanden ist, wird die Teilnahme an Fernlernangeboten bei mehreren Geschwistern schon fast unmöglich.

 

Auch bei finanziell besser gestellten Familien ist das noch bei rund 15 % der Fall. Es fallen aber noch weitere Rückstände auf: Neben dem fehlenden Wissen der Schüler*innen über die Nutzung der digitalen Geräte über den Gebrauch für Instagram und Videospielen auf der einen Seite fehlt es andererseits zunächst einfach an Geräten oder an dem Wissen, wie ein Lernangebot virtuell stattfinden könnte. Denn per E-Mail Arbeitsblätter oder ähnliches hin und her zu senden, ist noch lange kein digitales Lernangebot.

Die Zukunft unserer Gesellschaft und unseres Wirtschaftsstandorts stolpert gerade über die Fehlentwicklung in der Bildungslandschaft der letzten Jahrzehnte. Der Digitalpakt und damit die Ausrüstung der Schulen mit Netzwerken und Geräten ist hier dem Grunde nach nur ein Baustein, der vor allem ohne eine Medienbildung von Lehrer*innen und Schüler*innen nicht viel verändern werden wird: Landauf und landab liegen IPads ungenutzt herum und werden interaktive Whiteboards nicht eingesetzt. Es tauchen viele Fragen auf und hinsichtlich einer wahrscheinlich schwieriger werdenden Haushaltslage durch die Coronakrise dürfen hier keine Einsparungen vorgenommen werden.

Der digitale Ausbau der Schule zeigt während der Coronakrise den gewaltigen Rückstand in der Bildungslandschaft und macht deutlich, dass wir jetzt während und nach dem Überstehen der Krise die Digitalisierung in den Schulen weiter vorantreiben müssen. Es gibt weder im Land noch in den Kommunen eine einheitliche Lösung für die digitalen Lernangebote. So haben wir eine bunte Mischung von E-Mails, Post, Telefonaten und einer E-Learningplattform. Und wenn es ungünstig läuft, gibt es diese Mischung an ein und derselben Schule.

Was können wir dafür tun, dass kein Kind und das kein Jugendlicher ausgeschlossen wird?

Wir müssen dringend die Eltern über die bestehenden Hilfsangebote informieren und auch gesellschaftlich klarstellen, dass sich niemand schämen muss, wenn er diese Hilfe benötigt. Ebenso müssen wir die Schulen besser ausstatten und nicht erst in 10 Jahren, sondern sofort.

Was bedeutet das für Remseck?

Die Stadt hat gute erste Schritte bezüglich der technischen Ausstattung der Schulen unternommen, allerdings ist es noch ein weiter Weg, bis alle Schulen (auch die Grundschulen) mit Netzwerken und digitalen Geräten ausgestattet sind. Auch hinsichtlich einer einheitlichen pädagogisch sinnvollen Netzwerklösung muss für die Zukunft dringend eine Entscheidung gefällt werden, die von Lehrern und von der Stadtverwaltung einfach zu administrieren sind.

E-Learning Angebote mit einer internetbasierten Plattform werden auch bis weit in das kommende Schuljahr die Lebenswirklichkeit unserer Schüler*innen, zusätzlich zu einem eingeschränkten Präsenzunterricht bilden.Bis heute haben sich 20 Familien gemeldet, denen zuerst über den Remsecker Elternbeirat und aktuell auch über die Stadt direkt geholfen werden konnte, wenn die notwendigen Geräte zur Teilnahme am Onlinelernangebot fehlten. Wie jedoch damit umgegangen wird, wenn ein Internetzugang bei Schüler*innen zu Hause fehlt und das Handydatenvolumen zu gering ist, um am Unterricht teilzunehmen, ist noch offen. Und es ist auch noch offen, wenn ein Gerät schlicht und ergreifend bei drei Kinder zu wenig ist.

Unsere Schulleiter*innen und Lehrer*innen geben in Remseck ihr Bestes. Dennoch bleibt die Frage offen, ob wirklich alle Schüler*innen erreicht werden. Eines ist auch jetzt schon klar, dass der Bedarf an Endgeräten für Schüler*innen weiter steigen wird, vor allem dann, wenn auch nach den Sommerferien kein normaler Unterricht stattfinden können sollte.Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass keiner in unserer Stadt zurückbleibt! Wir halten zusammen! Melden Sie sich bei uns, wenn Sie Ideen haben, Hilfe brauchen, oder mit uns diskutieren wollen. Gestalten wir gemeinsam unsere Zukunft! Sie beginnt bei unseren Kindern.