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Gedanken zur Wohnungsbaupolitik in Remseck

Remseck braucht zusätzlichen Wohnraum und der muss auch für die Menschen bezahlbar sein. In den vergangenen 13 Jahren setzte Remseck vor allem auf Innenentwicklung. Dazu wurden mehrere Bebauungspläne überarbeitet für mehr verdichtetes Wohnen, was allerdings den Anwohnern oft nicht gefällt.

Ein nennenswertes Baugebiet wurde nur in Hochberg nördlich der Brunnenstraße ausgewiesen. Wegen der Wohnraumknappheit werden seit einiger Zeit jetzt wieder größere Neubaugebiete angegangen. 

 

Mit den Neubaugebieten Östlich Marbacherstraße in Neckarrems, der Neuen Mitte und Wolfsbühl III will die Stadt Wohnraum für über 2000 Menschen schaffen. Die Stadt ist mit dem Bau der Kita in Wolfsbühl III in Aldingen  vorangegangen und macht auf diesem Weg auch im Baugebiet Östlich Marbacherstraße in Neckarrems mit der in der vorletzten Gemeinderatssitzung beschlossenen Ausschreibung eines Grundstücks für Kita und Wohnungen auf diese Weise weiter. Wir sind gespannt, ob Bauträger, Bauherren und Baufrauen mit Wohnungen bald nachfolgen. Angesichts gestiegener Baupreise und Zinsen hören wir immer wieder, auch aus anderen Kommunen, dass erworbene Bauplätze wieder zurückgegeben oder der Bauplatzverkauf nicht so läuft wie geplant.

 

Bauplatzverkäufe und Finanzen

 

Bei der Ausweisung neuer Baugebiete geht es nicht nur um neuen Wohnraum oder Natur- und Landschaftsschutz, hier geht es auch um die Finanzen der Stadt. In der Finanzplanung der Stadt spielen die Einnahmen aus dem Verkauf von Bauplätzen eine entscheidende Rolle. Was passiert, wenn angesichts der aktuell gestiegenen Zinsen und Baupreise die geplanten Einnahmen von fast 50 Mio. € aus Bauplatzverkäufen in den nächsten vier Jahren nicht kommen? Aber selbst, wenn die Einnahmen aus Bauplatzverkäufen wie geplant kommen sollten, müssen wir uns fragen, wie nachhaltig ist eine Finanzpolitik, die auf ständigen Flächenverbrauch setzt. 

 

Wohnungsbau nicht um jeden Preis

 

Wir sind für Wohnungsneubau, aber nicht um jeden Preis. Daher sehen wir die Bemühungen der Verwaltung und der Gemeinderatsmehrheit um Realisierung des Baugebiets Bubelesäcker in Hochdorf kritisch. Den Verlust wertvoller Ackerböden können wir nicht immer nur beklagen, wenn wir über die Wichtigkeit der einheimischen Nahrungsmittelproduktion, über Klimaschutz, Artenvielfalt oder Biodiversität reden und diskutieren. Wir müssen dann auch handeln, wenn es konkret wird. So hat die Abwägung der Vor- und Nachteile z.B. in den Baugebieten „Nördlich Brunnenstraße in Hochberg, Wolfsbühl III in Aldingen oder Östlich Marbacher Straße in Neckarrems dazu geführt, dass wir Grüne für die Realisierung dieser Baugebiete sind. 

 

Anders sieht es für uns in den Bubelesäcker aus. Dieses Gebiet ist für den Natur- und Landschaftsschutz, den Arten- und Biotopschutz und die Biodiversität wichtiger als die erwähnten Baugebiete. Daher hätten wir es für richtig empfunden und auch erwartet, dass die Vegetationsperiode 2023 vollständig für Beobachtungen im Feld, die Erfassung der notwendigen Daten und die anschließende Fertigstellung des Artenschutzgutachten zu den Bubelesäckern abgewartet wird und danach über die Vor- und Nachteile der Bebauung dort diskutiert und entschieden wird. Dass die Grundstückskäufe jetzt nach der Verabschiedung des Haushaltsplans 2023 sogar noch vorgezogen werden, finden wir nicht richtig. Wir können nicht nachvollziehen, warum hier so auf’s Tempo gedrückt.

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